Skandal? „Möchten“ zum Modalverb erklärt!

Im Deutschen gibt es 6 Modalverben. So steht es (fast) überall geschrieben. Aber wie verhält es sich mit dem Verb möchten? Und ist möchten überhaupt ein Verb? Diesen Fragen möchte ich hier auf den Grund gehen.

Skandal? „Möchten“ zum Modalverb erklärt!

„etwas möchten ist nicht
gleich etwas mögen würden“

Ältere Wörterbücher und Grammatiken zählen die Modalverben müssen, können, wollen, sollen, dürfen und mögen auf. Die Form möchten ist nicht dabei. Sie wird stets als Konjunktiv II von mögen ausgewiesen. Neuere Ausgaben tendieren schon eher zur Angabe von mögen/möchten in Kombination. Damit versucht man darzustellen, dass die Form möchten eine Sonderstellung einnimmt. Und das tut sie in der Tat. Schauen wir uns folgende Beispiele an.

Mit der Modalität mögen gibt man in der Regel eine Vorliebe an. Man sagt, was man gern mag:

» Ich mag Bücher. (Vorliebe)

Mit dem Konjunktiv II drückt man allgemein Sachverhalte aus, die außerhalb der Realität liegen. Es handelt sich lediglich um gedachte bzw. (noch) nicht eingetretene Zustände. Obiges Beispiel im Konjunktiv II lautet:

» Ich möchte Bücher. (gedachte Vorliebe?)

Mmmh? Klingt nicht wie erwartet, oder? Versuchen wir einmal die Umschreibung des Konjunktivs mit würde:

» Ich würde Bücher mögen. (gedachte Vorliebe)

Beide Beispiele müssen sich normalerweise in ihrer Bedeutung gleichen. Tun sie aber nicht. Das liegt daran, dass wir uns mittlerweile an eine eigenständige Bedeutung der Form möchten gewöhnt haben. Und zwar drückt man damit in aller Regel einen Wunsch aus. Und das nicht nur gedacht; sondern der Wunsch ist ganz real.

„Die Seite verbformen.de geht
konsequent einen Schritt weiter“

Der Satz » Ich möchte Bücher. heißt also nicht, dass ich Bücher unter bestimmten Umständen mag (z. B. » Ich würde Bücher mögen, wenn ich welche hätte.). Man drück damit vielmehr den Wunsch nach Büchern aus (z. B. » Ich möchte Bücher zum Geburtstag.); und das im Indikativ Präsens und nicht im Konjunktiv.

Nimmt man diesen Umstand ernst, gibt es nur eine Konsequenz: Man führt die Form möchten nicht mehr als Konjunktiv II von mögen, sondern als eigenständiges Verb, mit eigenem Infinitiv und mit eigenen Formen. Derzeit ist dabei nur das Präsens Indikativ realisiert. Alle anderen Formen sind nicht existent. Auf der anderen Seite fehlt dem Verb mögen nun der Konjunktiv II. Ersatzweise kann man hier die würde-Umschreibung nutzen. Auf der Seite www.verbformen.de kann man beides nachschlagen:

Zu beiden finden sich viele Beispielsätze:

Fazit: Die gelebte Sprachpraxis kennt keinen Konjunktiv von mögen, der mittels möchten ausgedrückt wird. Es handelt sich dabei nur noch rein schematisch um den Konjunktiv II von mögen. Vielmehr hat möchten eine eigene Bedeutung im Indikativ angenommen. Demnach ist es nur konsequent, möchten als eigenes Verb zu führen und dessen Formen im Indikativ zu nutzen.

Weiterführende Literatur mit detaillierten Erläuterungen von Anton NÄF: Möchten ist nicht mögen : ein siebtes Modalverb im Deutschen

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