Muss, will, mag, kann, darf und soll ich mit meinem Chef ausgehen?

Modalverben sind für den kommunikativen Alltag sehr wichtig. Stell dir vor, dein Chef hat dich zum Abendessen eingeladen und du möchtest deinen Freunden von dieser Einladung berichten. Was sagst du?

Muss, will, mag, kann, darf und soll ich mit meinem Chef ausgehen?

» Ich gehe mit meinem Chef zum Abendessen.

Richtig! Aber was, wenn du gleichzeitig ausdrücken möchtest, was du von dieser Einladung hältst? Dann kommen die Modalverben ins Spiel. Mit ihnen kannst du deine Einstellung und die Beziehung zur Wirklichkeit ausdrücken.

» Ich kann mit meinem Chef zum Abendessen ausgehen. [ich habe nichts vor]
» Ich darf mit meinem Chef zum Abendessen ausgehen. [ich bin stolz]
» Ich muss mit meinem Chef zum Abendessen ausgehen. [ich habe keine Lust]

Deine Freunde möchten nun gern wissen, ob du die Einladung annimmst. Wie teilst du das mit?

» Ich will das Abendessen absagen. [ich werde absagen]
» Ich möchte das Abendessen absagen. [ich plane abzusagen]
» Ich soll das Abendessen absagen. [mein Partner möchte es]

Nun musst du das nur noch deinem Chef beibringen… ;-)

Die Bedeutungen der Modalverben

Um die Bedeutung der Modalverben besser zu verstehen, ist es sinnvoll sie in zwei Gruppen einzuteilen. Die erste Gruppe enthält die Verben können, dürfen und müssen und drückt aus, ob und welche Handlungsoptionen man hat (optionsangebende Modalverben). Die zweite Gruppe mit den Verben sollen, wollen und mögen sagt etwas über ein anzustrebendes Ergebnis aus (ergebnisangebende Modalverben).

Die options- und ergebnisangebende Verwendung von Modalverben ist neutral gegenüber dem Wahrheitsgehalt. Es wird davon ausgegangen, dass es so ist. Man spricht dabei auch vom objektivem Gebrauch (objektiv = unvoreingenommen, unparteiisch). Mit allen Modalverben können, dürfen, müssen, sollen, wollen und mögen kann aber auch eine persönliche Einschätzung über die Wirklichkeit getroffen werden. Dies nennt man den subjektiven Gebrauch der Modalverben (subjektiv = persönlich, die eigene Meinung betreffend). Dieser drück Vermutungen und Behauptungen aus.  

Ausdruck von Handlungsoptionen

Die optionsangebenden Modalverben können, dürfen und müssen drücken aus, ob und welche Handlungsoptionen bestehen. Unter einer Handlungsoption kann man auch die Wahlmöglichkeit über die Durchführung einer Handlung verstehen. Diese Wahlmöglichkeit kann vorhanden sein (ich kann selbst entscheiden) oder fehlt (ich kann nicht selbst entscheiden). Ferner eröffnet sich die Handlungsoption aus verschiedenen Gründen, wie beispielsweise auf Grundlage von Vorgaben, durch Dritte oder auch durch mich selbst.

können

Es besteht die Option auf eine Handlung. Äußere Umstände oder auch die eigenen Fähigkeiten eröffnen diese Option. Die Entscheidung, ob man die Option nutzt oder nicht, obliegt einem selbst.

» Fähigkeit: Mathematik kann ich am besten. (tatoeba.org)
» Möglichkeit: Wir konnten wegen des Schneesturms nicht nach draußen. (tatoeba.org)
» Erlaubnis (auch dürfen): Die übrigen Hausbewohner konnten am Montagabend wieder in ihre Wohnungen. (kurier.at)
» ...mehr Beispiele von können

dürfen

Es besteht die Option auf eine Handlung. Dritte (Personen, Institutionen) haben diese Option erlaubt bzw. ein Verbot aufgehoben. Die Entscheidung zur Nutzung der Option obliegt einem selbst, wobei tendenziell die Handlung angestrebt ist.

» Erlaubnis: Kinder dürfen in die Sauna und ins Dampfbad. (kurier.at)
» Verbot: Es darf nicht ins Handgepäck oder in den aufgegebenen Koffer. (tatoeba.org)
» ...mehr Beispiele von dürfen

müssen

Es besteht keine Option auf eine Handlung. Deren Durchführung wird von Dritten (Personen, Institutionen) eingefordert oder ist durch äußere Umstände notwendig.

» Plicht: Drei Männer mussten für mehrere Jahre hinter Gitter. (general-anzeiger-bonn.de)
» Vorgabe: Nach dem Download müsst ihr alle Dateien in den Spielordner entpacken. (pcgames.de)
» Notwendigkeit: Heute muss ich mit meiner Tochter Luisa zum Ohrenarzt. (eichsfeld.tlz.de)
» ...mehr Beispiele von müssen

Ausdruck von anzustrebenden Ergebnissen

Die ergebnisangebenden Modalverben mögen, wollen und sollen drücken aus, ob und in welcher Intensität bestimmte Handlungsverläufe, Zustände oder Ziele angestrebt werden. Hierbei ist auch entscheidend, ob es sich um ein realistisches Ziel oder nur einen Wunsch oder Traum handelt.

mögen 

Es gibt es Ergebnis, dass man selbst erreichen möchte oder sich vorstellen kann. Dieses Ergebnis ist aber durchaus unrealistisch bzw. nicht möglich.

» Vorlieben: Wer mag klassische Musik? (tatoeba.org)
» Wunsch: Ich mag das Buch unbedingt lesen. (tatoeba.org)
» ...mehr Beispiele von mögen

wollen 

Es gibt ein konkretes Ergebnis, dass man selbst erreichen möchte. Die Erzielung des Ergebnisses ist tendenziell möglich und realistisch.

» Wille, Absicht: Die Herausgeber wollen mit dem Magazin die Medienvielfalt in der Zentralschweiz vergrößern. (blick.ch)
» Vorstellung: Ich wollte mehr Raum zum Lernen. (welt.de)
» ...mehr Beispiele von wollen

sollen 

Es wird ein konkretes Ergebnis durch Dritte (Personen, Institutionen) oder durch äußere Umstände vorgeben. Die Erzielung des Ergebnisses ist tendenziell möglich und realistisch.

» Forderung: Wir sollen nicht abseits der gesicherten Pisten fahren. (focus.de)
» ...mehr Beispiele von sollen

Ausdruck von Vermutungen und Behauptungen

Der oben dargestellte options- und ergebnisangebende Gebrauch von Modalverben gibt keinen Hinweis über den Wahrheitsgehalt bzw. über die Beziehung zur Wirklichkeit (objektiv = neutral, unparteiisch). Man kann jedoch auch mit allen Modalverben eine persönliche Einschätzung vornehmen (subjektiv = persönliche Einschätzung). In dieser Verwendung unterscheiden sich die Modalverben vom objektiven Gebrauch. Für den subjektiven Gebrauch verbinden sich die Modalverben mit haben oder sein.

Die Modalverben müssen, dürfen, mögen und können drücken Vermutungen mit unterschiedlicher Intensität aus. Die Verben wollen und sollen geben Behauptungen über Dritte oder von Dritten wieder.

müssen 

Ausdruck einer Gewissheit und einer Überzeugung. Umschreibung ist mit sicherlich und gewiss möglich.

» Er muss krank sein. [Er ist sicherlich krank.]
» Es müssen gespenstische Szenen gewesen sein. (ruhrnachrichten.de)
» Hans-Joachim Watzke muss klar gewesen sein, dass diese Formulierung eine Gegenreaktion auslösen würde. (fokus.de)

dürfen 

Ausdruck einer Wahrscheinlichkeit. Umschreibung mit wahrscheinlich möglich.

» Er dürfte krank sein. [Er ist wahrscheinlich krank]
» Nicht alle Mitarbeiter dürften aber wirklich krank sein. (heute.at)
» Die deutschen Überschüsse dürften dagegen wieder Thema sein. (tagesschau.de)

mögen 

Es wird eine Vermutung eingeräumt. Umschreibung mit vermutlich möglich.

» Er möge krank sein. [Er ist vermutlich krank]
» Der Inhalt möge missverständlich sein, räumte der Sänger ein und fügte hinzu: … (abendblatt.de)
» "Meine Entscheidungen mögen andere aufgeregt haben – na und?" (nachrichten.at)

können 

Ausdruck einer Ungewissheit. Umschreibung mit vielleicht möglich.

» Er könnte krank sein. [Er ist vielleicht krank.]
» Abstieg der U17 und U19 könnte dramatische Folge haben. (merkur.de)
» Inflation könnte wieder Thema werden. (extra-funds.de)

wollen 

Jemand behauptet etwas, was skeptisch beurteilt wird. Umschreibung mit behaupten möglich.

» Er will krank gewesen sein. [Er behauptete, dass er krank war.]
» Doch der Angeklagte wollte es plötzlich nicht gewesen sein. (bild.de)
» Unfall in Goch, und keiner will es gewesen sein. (lokalkompass.de)

sollen 

Jemand behauptet etwas über jemand. Umschreibung mit behaupten möglich.

» Er soll krank gewesen sein. [Jemand behauptete, dass er krank war.]
» Der Mann soll stark alkoholisiert gewesen sein, die Ermittlungen hätten auch ergeben, dass er psychisch krank sei. (otz.de)
» Razzien bei Mautbetreiber: Toll Collect soll Bund geprellt haben. (n-tv.de)

Fazit zur Verwendung und Bedeutung von Modalverben

Wir haben gesehen, dass Modalverben einen erheblichen Einfluss auf deine Aussage haben. So drückst du mit ihnen aus, ob du selbst eine Entscheidung treffen kannst oder ob es diese Wahlmöglichkeit nicht gibt (können, dürfen, müssen = optionsangebende Modalverben). Oder du triffst eine Aussage, inwiefern du einen bestimmten Zustand oder Handlungsverlauf anstrebst (mögen, wollen, sollen = ergebnisangebende Modalverben). Verwendest du die Modalverben subjektiv (subjektiver Gebrauch), dann ist es möglich eine Vermutung mit unterschiedlich starker Gewissheit wiederzugeben: muss sein, dürfte sein, mag sein, könnte sein. Außerdem kannst du so eigene Vermutungen anstellen oder die anderen wiedergeben: will gewesen sein, soll gewesen sein.

Für den kommunikativen Alltag ist es also unumgänglich, dass du den Umgang mit Modalverben beherrschst. Unter www.verbformen.de findest Du die Bildung bzw. Konjugation aller Formen der Modalverben auch im Zusammenhang mit anderen Verben. Außerdem gibt es ca. 500.000 Beispielsätze, die die Verwendung der Modalverben hinreichend belegen.

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